marlene schulz

Ich warte auf den Zug


Sehe die Frauen, die am Gleis stehen. Betrachte ihre Körper, besehe mir ihre Proportionen, ihre Rundungen – vor allem die. Ich kann nicht anders.
Ich sehe in einer eine Bewegung, die mich an dich erinnert, an einen Moment mit dir.
Eine Frau hebt eine Augenbraue, so wie du das kannst. Ich habe nie begriffen, wie genau du das hinbekommst. Habe versucht, es dir nachzumachen, stand vor dem Spiegel und übte. Übte ohne Erfolg. Bildete mir ein, dir näher zu sein, wenn ich konnte, was du kannst.
Eine legt eine Haarsträhne hinter ihr Ohr, genau wie du, um sie im nächsten Augenblick wieder hervorzuholen, mit gespreizten Fingern von hinten nach vorn. Dein Haar glänzt viel schöner als das ihre, selbst im mattesten Licht.
Ich erkenne in einer anderen deinen Mund, wie du ihn öffnest und schließt, wie du die Worte formst, für mich, deine Gedanken mich erreichen. Merke, wie ich an deinen Lippen hänge, nicht wegsehen kann, mich nach dem Klang deiner Stimme sehne.
Eine dreht die Perle in ihrem Ohr, wie du sie gedreht hättest, wenn du jemals eine gehabt hättest.
Nie wieder werde ich dich sehen, nie wieder dich berühren und doch immer wieder berührt von dir sein.

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