marlene schulz

Bei Tisch


Er sagte: Ich gehe auf Reisen.
Was denn für Reisen?
Du weißt, dass ich darüber nicht reden kann.
Er musste die Sorge in meinen Stirnfalten gelesen haben, sagte: Es geht vorbei.
Aha, sagte ich. Wenigstens das.
Er reichte mir den Nussknacker.
Ich knackte zwei Nüsse, gab ihm den Nussknacker zurück.
Wann geht’s los?, fragte ich.
Vermutlich übermorgen.
Er knackte eine Nuss.
Was? So früh schon!
Das ist besser so, sagte er und gab mir den Nussknacker wieder.
Besser so? Für wen denn? Ich knackte drei Nüsse in rascher Folge.
Für uns, sagte er. Besser es vergeht nicht so viel Zeit.
Wieso das denn? Er nahm mir den Nussknacker aus der Hand.
Ich hab mich spontan entschieden, als gefragt wurde: Wer macht’s.
Er knackte eine Nuss.
Dass du immer gleich hier schreien musst, wenn so was ist.
Wenn zu viel Zeit dazwischen ist, sagte er, kommst du zu sehr ins Grübeln.
Ich?, sagte ich und sah auf seine Hände, die noch eine Nuss knackten.
Nicht du, sagte er. Ich.
Er reichte mir den Nussknacker über den Tisch.
Für wie lange?, fragte ich.
Das ist ungewiss, sagte er.
Ich knackte zwei Nüsse.
So lange?
Du weißt doch wie das ist, sagte er, nahm den Nussknacker.
Er knackte drei Nüsse und gab mir den Nussknacker zurück.
Hätte nicht Naujoks das übernehmen können? Ist der nicht längst mal wieder dran?
Er nahm eine Nuss in die Hand.
Der Naujoks! Er lachte. Der doch nicht! Er umschloss mit der linken Hand seine rechte, in der er die Nuss hielt. Drückte zu. Die Schale brach, schnitt ihn am Daumen. Seine Augenbrauen zuckten für einen Moment. Er schaute auf seinen Finger, führte ihn zum Mund.
Ich knackte eine Nuss.
Der Naujoks hat doch keine Familie, sagte ich. Knackte eine weitere Nuss.
Ich auch nicht, sagte er.
Ich hatte noch eine Nuss im Nussknacker. Schaute ihn an. Er saugte an seinem Daumen.
Und ich?, sagte ich. Ich konnte nicht anders. Meine Augen wurden feucht. Ich schniefte.
Mutter. Bitte!

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