marlene schulz

Oma, Tante, Mutter, Vater und die Schwester waren dabei

Er kam sonntags, wenn er kam, oder abends. Setzte sich auf einen Stuhl, schaute sie an, klebte seinen Blick auf ihr fest, schlug mit flachen Händen auf seine Oberschenkel.

Sein Aftershave füllte die ganze Küche. Die Großen redeten durcheinander: die Oma, die Tante, die Mutter, der Vater, die Schwester. Onkel Arnold hatte sich absichtlich auf den niedrigen Hocker gesetzt. Marietta sah, wie er sie mit den Augen einfing, mit den Händen auf seine Schenkel klopfte und sagte: Jetzt komm halt mal her zu mir.

Marietta spürte, dass sie lieber auf dem Fußbänkchen unter der Kuckucksuhr sitzen geblieben wäre, aber wenn sie nicht zu ihm ginge, würde er aufstehen, zu ihr kommen, sie mit seinen kleinen, dicken Fingern an den Oberarmen packen, sie mit zurücknehmen zu seinem Stuhl.

Du zierst dich aber heute, sagte er.

Sie stand auf. Ging zu ihm hin, hätte es gerne flüchtig gehalten, aber er machte es wie immer. Packte sie mit seinen fleischigen Händen, hob sie hoch und setzte sie sich auf seinen Schoß.

Sein Duft drängte sich ihr auf, sie wusste, sie würde ihn noch beim Zubettgehen an ihren Fingern, auf ihren Oberarmen und in ihren Haaren riechen und er würde gar nicht weggehen.

Er machte es wie immer: schlang seine Arme um Marietta, drückte sie fest an sich, so, dass sie kaum Luft bekam. Du bist doch mein Goldschatz, sagte er, dabei wollte sie gar nicht sein Schatz sein, nicht in seinen kräftigen Armen festgeklammert sein, nicht auf seinen Beinen, nicht bei ihm, gar nicht in seiner Nähe sitzen.

Da rief der Kuckuck.

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